Fühlen, was man liest

Die Grundschulpädagogik vermittelt Lesen und Schreiben in erster Linie über Sehen und Hören. Wenn die Kinder gelernt haben, die Buchstaben zu erkennen und zu benennen, beginnen sie nach Gehör zu schreiben und die Buchstaben nacheinander abzulesen. Dieses Vorgehen spricht beim Lernprozess überwiegend die linke Gehirnhälfte an und führt bei Legasthenikern zu Lernblockaden.

Damit die Seh- und Höreindrücke, also die Buchstaben und ihre Klanggestalt, für die rechte Gehirnhälfte erfassbar werden, benötigt das Kind die Sprechmotorik und ein ausgebildetes Lautbewusstsein. Das leseschwache Kind hält sich zu lange mit der Decodierung der Buchstaben auf und reiht diese einfach aneinander. Das beschäftigt das Kind so sehr, dass es darüber nicht zur Erfassung des Inhalts kommt. Nur wenn das Lesen leicht fällt, kann der Sinn entnommen werden. Dazu muss vorher der Buchstabe in den Laut übersetzt werden. Dies darf nicht detailorientiert nacheinander geschehen, sondern muss überblickend vollzogen werden. Die Buchstaben und ihre Laute müssen intensiv als Artikulationsbewegungen visualisiert und sensorisiert werden.

Die Sprechmotorik ist sozusagen das Bindeglied zwischen linker und rechter Gehirnhälfte. Und erst durch das Bewusstmachen der Sprechmotorik kann das Gesehene und Gehörte im rechtshemisphärischen Sprachgedächtnis verknüpft und gespeichert werden.

Nach einigem Training wird automatisch die linke Gehirnhälfte mehr und mehr am Leseprozess beteiligt, so dass zunehmend beide Gehirnhälften aktiviert sind und mit dem Lesen die Sinnentnahme erfolgen kann.

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